Fallstudie

Der Flugzeugträger, der seinen Ticketumsatz verdoppelte — was Museen von der USS Midway lernen können

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Der Flugzeugträger, der seinen Ticketumsatz verdoppelte — was Museen von der USS Midway lernen können

Ein Koordinator, zwanzig Stunden pro Woche, Stapel von Papiergutscheinen. So hat das USS Midway Museum — das Flugzeugträger-Museum in San Diego — noch vor wenigen Jahren den Ticketverkauf über Reisevermittler abgeglichen. Heute verkauft dasselbe Museum über die Plattform Tiqets Tickets mit festen Zeitfenstern in 13 Sprachen, ohne ein einziges Blatt Papier. Der Ticketumsatz über die Plattform hat sich seit 2019 verdoppelt, mehr als 25.000 Tickets wurden verkauft — und ganze 70 % der europäischen Ticketverkäufe kommen über genau diesen Kanal.

Die letzte Zahl ist die, bei der jedes Museum aufhorchen sollte: Das sind keine Besucher, die das Museum aus eigener Kraft erreicht hätte. Es sind europäische Reisende, die ihr Ticket in ihrer eigenen Sprache gekauft haben, auf einer Plattform, der sie bereits vertrauen — bevor sie überhaupt wussten, wie das Museum heißt.

Was sich für den Besucher geändert hat

Vorher: Ein Besucher aus Deutschland findet das Museum bei einem Vermittler, erhält einen Papiergutschein, tauscht ihn am Eingang gegen ein Ticket, und das Personal sammelt die Gutscheine von Hand ein und gleicht sie am Monatsende mit den Rechnungen ab. Jeder Vermittler mit eigenem System, eigener Zählung, eigenen Fehlern.

Nachher: Der Besucher kauft ein Ticket mit QR-Code und gewähltem Zeitfenster auf einer Seite in seiner Sprache. Am Eingang wird der Code gescannt, die Kapazität steuert sich selbst, und jeder Verkauf wird im Hintergrund automatisch dem richtigen Kanal zugeordnet. Die Zeitfenster gaben dem Museum während der Pandemie die Kontrolle über den Andrang — und sorgen heute für einen gleichmäßigeren Besucherstrom über den Tag.

Flugdeck der USS Midway mit ausgestellten Flugzeugen

Teardown: So funktioniert es

Der technische Kern ist die Verbindung zwischen dem Kassensystem des Museums (Gateway Ticketing / Galaxy) und der Plattform Tiqets über eine API-Integration. Die zentralen Bausteine:

  • Live-Bestand an Zeitfenstern. Die Plattform sieht die Verfügbarkeit in Echtzeit — kein "Wir haben mehr verkauft, als wir Platz haben" mehr.
  • QR-Ticket statt Gutschein. Das Scannen am Eingang ist Einlasskontrolle und Abrechnungsnachweis in einem. Zwanzig Stunden wöchentlicher Abgleich schrumpften auf einen einzigen Export.
  • Mehrsprachige Verkaufsseiten. Tiqets übersetzt die Seite der Attraktion und zeigt sie in 13 Sprachen an — das Museum schreibt kein einziges Wort auf Deutsch und verkauft trotzdem an Deutsche.
  • Umsatzbeteiligungsmodell. Die Plattform berechnet ihre Provision erst beim Verkauf. Ohne Verkauf keine Kosten — für ein Museum mit begrenztem Marketingbudget ist das der entscheidende Unterschied zum Schalten von Anzeigen.

Ein ehrlicher Vorbehalt: Die Zahlen stammen aus einer Fallstudie, die Tiqets selbst veröffentlicht hat — sie sind selbstberichtet und von keiner dritten Stelle geprüft. Aber die Größenordnung (25.000+ Tickets, verdoppelter Umsatz, 70 % europäische Verkäufe) deckt sich mit dem, was unabhängiger angelegte Messungen für die gesamte Branche zeigen: Eine Studie mit 238 Erlebnisanbietern maß nach dem Einstieg bei OTAs ein Wachstum des Gesamtumsatzes von 36–41 % innerhalb von 12 Monaten, wobei auch die direkten Buchungen um 14 % zulegten.

Warum es funktioniert

Die Website eines Museums erreicht diejenigen, die das Museum bereits suchen. Eine OTA-Plattform erreicht diejenigen, die suchen, was man in einer Stadt unternehmen kann — und bei ausländischen Gästen ist das der entscheidende Unterschied. Die USS Midway hat ihren Umsatz nicht verdoppelt, weil Amerikaner plötzlich häufiger ins Museum gingen; sie hat ihn verdoppelt, weil sie für europäische Reisende genau im Moment der Reiseplanung sichtbar wurde.

Der zweite Grund ist Reibung. Papiergutschein, Umtausch an der Kasse, Warteschlange — jeder Schritt schreckt einen Teil der Besucher ab. Der QR-Code mit Zeitfenster hat alle drei auf einen Schlag beseitigt.

Ausgestelltes Flugzeug im USS Midway Museum

Was das für Ihr Museum oder Ihre Burg bedeutet

Museen haben dasselbe strukturelle Problem und dieselbe Chance: Der ausländische Gast in Ljubljana, Bled oder Postojna plant seinen Tag auf Viator, GetYourGuide oder Tiqets — nicht auf der Website einer öffentlichen Einrichtung. Ist das Ticket dort nicht zu finden, geht der Tag woandershin.

Drei Schritte, die dieser Fall nahelegt:

  1. Beginnen Sie mit einem Basisticket auf 1–2 Plattformen und messen Sie nach 3–6 Monaten den Anteil ausländischer Besucher.
  2. Bringen Sie die Erfassung am Eingang in Ordnung (QR-Code-Scanning), damit die monatliche Abrechnung mit der Plattform keine Handarbeit ist — genau das hat der USS Midway 20 Stunden pro Woche erspart.
  3. Kalkulieren Sie die Provision von Anfang an ein. Marktübliche Richtwerte: Viator 20–30 %, GetYourGuide 25–30 %, Klook 15–25 %. Beachten Sie, dass die Provision einer ausländischen Plattform steuerlich gesondert behandelt werden kann (Reverse-Charge-Verfahren) — lassen Sie die lokale steuerliche Behandlung der Provisionen vor der ersten Abrechnung von Ihrer Buchhaltung prüfen. Und wenn Sie Ihren Online-Verkauf erneuern, denken Sie an den europäischen Rechtsakt zur Barrierefreiheit (EAA 2025): Der Online-Ticketkauf muss auch für Nutzer assistiver Technologien zugänglich sein.

HopGuides bereitet für Museen den gesamten Weg vor: Listung auf Viator und GetYourGuide, Scan-Erfassung am Eingang und eine monatliche Abstimmung, fertig aufbereitet für Ihre Buchhaltung. Schreiben Sie an klemen.furlan@hopguides.art.

FAQ

Kannibalisiert der OTA-Verkauf unseren Direktverkauf? Die Messungen zeigen das Gegenteil: In der Studie mit 238 Anbietern wuchsen die Direktbuchungen nach dem Einstieg bei OTAs um 14 % (Umsatz) bzw. 18 % (Tickets) — die Plattform wirkt auch als Schaufenster, über das ein Teil der Gäste am Ende direkt kauft.

Was kostet der Einstieg? Die Plattformen verlangen in der Regel keine Vorabkosten — Sie zahlen eine Provision auf den tatsächlichen Verkauf. Kosten entstehen erst mit dem Umsatz.

Brauchen wir ein teures Kassensystem wie die USS Midway? Nein. Dasselbe Ergebnis — QR-Ticket, Erfassung am Eingang, monatliche Abrechnung — ist mit einem deutlich schlankeren Aufbau erreichbar; wichtig ist nur, dass Scannen und Abrechnung keine manuellen Prozesse sind.

Woher stammen die Zahlen in diesem Artikel? Aus einer Fallstudie der Plattform Tiqets (2021, selbstberichtet) und einer aggregierten Messung von GetYourGuide mit den Partnern FareHarbor, Bókun und Ventrata (238 Anbieter, 24 Monate). Beide haben ein kommerzielles Interesse — verstehen Sie die Zahlen als Orientierung, nicht als geprüfte Werte.

Bildnachweise
  1. Dietmar RabichCC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
  2. David BroadCC BY 3.0, Wikimedia Commons
  3. Jeff Kubina from the milky way galaxyCC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons
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